Kandinsky


Schon Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Carl Palme haben sich in Kallmünz inspirieren lassen und während ihres Aufenthalts hier im Gasthof
„Zur Roten Amsel“, gewohnt.

Aus „Das bunte Leben Wassily Kandinsky im Lenbachhaus“ von
Vivian Endicott Barnett.

Den Sommer 1903 verbrachte Kandinsky größtenteils in Kallmünz, wo er sich ernsthaft der angewandten Kunst zuzuwenden begann. Allen Anschein nach brachte er sich das Holz-schneiden selbst bei. Maria Giesler, eine seiner Schülerinnen, erinnerte sich, daß Kandinsky in Kallmünz gleich siebzig Platten hintereinander schnitt, man sagte, Tag und Nacht, bis er Holzschneiden konnte.

Am 17. Mai 1903 berichtete Kandinsky Münter in einem Brief von dem Sommeraufenthalt, den die Schüler seiner Klasse an der „Phalanx“-Malschule planten: „ Nach langem Suchen, endlosen Besprechungen haben wir uns entschlossen nach Kallmünz zu gehen“.
Dieses von einer mittelalterlichen Burg überragte Städtchen mit alten Häusern liegt nördlich von Regensburg am Zusammenfluß der Vils und der Naab in der Oberpfalz.

Vom 5. Juni bis 12. August brachte Kandinsky seine Zeit hauptsächlich damit zu, zusammen mit seinen sechs Studenten in Kallmünz und der ländlichen Umgebung zu malen. Er arbeitete weiterhin nach der Natur. Mehrere Bleistiftzeichnungen in Skizzenbüchern wurden zu kleinen Landschaftsstudien in Öl ausgearbeitet. Auf Skizzen mit dem Motiv der gelben Postkut-sche in Kallmünz und in Nabburg griff Kandinsky im Folgejahr für ein großformatiges Ölbild mit dem Titel „Gewitterstimmung“ zurück.

Weitere Ansichten von Kallmünz finden sich sowohl im Werk Kandinskys
als auch in dem Münters.

In Kallmünz wohnte Kandinsky mit einigen seiner Schüler im Wirtshaus „Zur Roten Amsel“ nahe der Vilsbrücke und der Mühle. Trotz ihrer Sorge, die anderen Studenten würden ihre Liebesbeziehung bemerken, schloß sich Münter noch später im Juni der Gruppe an. Eine kleine Ölstudie Kandinskys zeigt sie beim Malen: sie steht vor ihrer Staffelei unter einem Sonnenschirm nahe der Brücke auf dem gegenüberliegenden Ufer der Vils mit der Mühle im Hintergrund. Auf einem größerformatigen Ölbild ist sie beim Malen in dem neben der Mühle gelegenen umzäunten Garten vor der Roten Amsel zu sehen. Die charakteristischen Torpfosten und der Zaun sind auch in einem gleichzeitig entstandenen Bild von Münter zu erkennen. Ihr erstes Porträt von Kandinsky entstand in der Umgebung von Kallmünz und zeigt ihn im Gras sitzen, eine kleine Ölstudie nach der Natur malend.
Gabriele Münters Beziehung zu Kandinsky nahm im Sommer ernsthafteren Charakter an, da der Künstler, wie Johannes Eichner berichtete, „Seiner Leidenschaft nachgab und sich mit Gabriele Münter in aller Form verlobte, im August“ Kandinsky kaufte Verlobungsringe und erklärte seine Absicht, sie zu heiraten, ungeachtet der Tatsache. daß er bereits verheiratet war

Einer seiner Studenten in Kallmünz, Carl Palme, wohnte bei einem Töpfer und erinnerte sich, daß Kandinsky zusammen mit ihm Tonwaren anfertigte und glasierte. Obgleich Kan-dinskys Entwürfe für Gefäße, Kleider, Handtäschchen und Exlibris undatiert sind, lassen sich bestimmte Motive mit anderen Werken vom Sommer 1903 in Verbindung bringen. Desglei-chen fanden Zeichnungen aus Skizzenbüchern von 1903 - möglicherweise zu einem späte-ren Zeitpunkt - als Vorlage für Stickereien Verwendung

Aus „Das Bayernland“ Nr. 43, 14. Jahrgang 1903

das Gasthaus in dem die Künstler zumeist verkehrten und welches der neue Gasthof „Zur Roten Amsel“ der im Volksmunde das „Künstlerheim“ heißt, hat einen den Anforderungen der Zeit entsprechenden Neubau mit Speiselokal und modern eingerichteten Fremdenzimmer.

Die künstlerische Ausstattung des Heimes haben die Münchner Künstler Prof. Charles Pal-mié, Adalbert Niemeyer, Richard Falkenberg,
Robert Engels und Ernst Stern zu de

Heiliger Willibrodus Herrn Professor Charles Palmié in Öl
Postomnibus samt Postillon und Pferden Kunstmaler Richard Falkenberg
Kuhgespann mit Magd Kunstmaler Robert Engels


Die Entwicklung der Ortschaft von Alois Knauer „Ortsgeschichte Kallmünz“

Im Jahre 983 ist, wie schon erwähnt, der nordwestliche Teil des im Halbrund um den Schloßberg angelegten Inneren Marktes im Besitz des Bischofs von Regensburg. 1007 scheint nur der nördliche Teil, der Brunn, als Schenkung an die Domherren von Bamberg übergegangen zu sein.

1142 übergaben diese auf dem Tauschwege eine Hof an die adelige Nonnen von Nieder-münster, die ihn zu einem Erholungsheim (Klösterl) umbauten. Bald darauf vergaben die Bamberger ihre Besitz als Lehen an die Grafen von Sulzbach, die anno 1174 die Lehen-sanwartschaft an Kaiser Friederich I. für dessen Söhne abtraten.

Es ist nicht überliefert, ob diese jemals ihre Rechte ausgeübt haben. Etwas später erschienen bereits die Wittelsbacher als Besitzer eines vermöglichen Teils von Kallmünz.

das Urbar Ottos des Erlauchten (1233) gibt Auskunft über die Eigentums- und Steuerrechte der letzeren.

Die Titulierung mit „Herr“ in einem landesfürstlichen Urbar kennzeichnet Jordanis als hohen adeligen Würdenträger, der als Vogt dessen Vasall mit entsprechenden Vollmachten war, zu denen bestimmt die Gerichtsbarkeit zählen mochte.

Die Errichtung dieser Vogtei konnte nur Sinn und Zweck haben, als der herzogliche Burgen-bau bereits vollendet war. Damit dürfte, wie schon erwähnt, Jordans auch die Stelle des Burgpflegers eingenommen haben. Vielleicht erfolgte mit der Ernennung zugleich die Erhebung der Ortschaft zum Markt. In keiner Chronik findet man Erwähnung davon. Schmidmüh-len ist anno 1270 als „formum“bestätigt. Kallmünz wird 1505 als Stadt angeführt.

Mit der Fertigstellung der Burg ging hand in hand die Befestigung des Ortes. Die Eingänge aus allen Himmelsrichtungen und besonders die beiden Brücken mußten durch Sperren und Wächter geschützt sein.

Das jetzt noch stehende Brunntor mit den deutliche erkennbaren Sperrmauern zur Berg-wand und zum Wasser zeigt dieselben Verzierungen wie das Rothaus der Burg, dürfte demnach gleichzeitig mit ihm oder kurz hernach vollendet worden sein, wenn es auch erst am 2. Juli 1467 mit dem als Ausstattungsgut der Frühmeßpfründe genannten Weinbert „außerhalb dem Tore im Brunn“ Erwähnung fand.

Die Naabbrücke hatte zwei Tore, eines am östlichen oder äußeren und eines am westlichen oder inneren Kopf. auf der Vogelschen Krafte (um 1600) stehen beide noch. Nach Aufzeichnungen von J. B. Lassleben wurde das innere 1558 abgebrochen, das äußere 1668 bei Hochwasser und Eisgang weggerissen, laut Inschrift 1725 wieder aufgebaut, jedoch 1817 wegen Verkehrsbehinderung endgültig entfernt.

Sein Standplatz ist an dem halbrunden Bugen auf der Südseite der Brückenwand zu ermitteln.

Das Tor an der Vilsbrücke stand nach einem Ölgemälde von Josef Georg Hammerl an der Innenseite. Es wird in den Gerichtsliteralien von Kallmünz anno 1536 angeführt und zwar in einem Bürgschaftsbrief für Heimerl Hinterskirchner von „Talckenried“(Dallackenried), der wegen Tätlichkeiten gegen den Torhüter an der Vilsbrücke zu Callmütz in das Gefängnis des Pfalzgrafen Philipp nach Burglengenfeld gekommen war.

Das Tor am Nordwestausgang gegen Traidendorf wurde wohl nachträglich nach dem schon im 154. Jahrhundert bestehenden Hammer dortselbst „Hammertor“ genannt. Sein Standort war am Ende der ehemaligen Kegelbahn des Gasthauses „Zur Roten Amsel“. Es lehnte auf einer Seite am Steilfels des Schloßbergs und hatte an der offenen Seite durch eine äußerst starke Sperrmauer zur tiefen Vils eine zusätzliche Wehr.

Als Verkehrshindernis mußte es 1874 abgebrochen werden. Es trug die Hausnummer 6. Der letzte Besitzer war Hans Philip (Hausname Mauser)